Text by Diana Mandache, Translation in German by Elisabeth Horn (Nürnberg)

Am 3. November 2015, 26 Jahre nach dem Fall des Kommunismus, wird das Herz von Königin Maria aus den Aufbewahrungsräumen des Bukarester Nationalmuseums für Landesgeschichte Rumäniens nach Sinaia, ins Schloss Peles, verlegt. Fest verschlossen in einer silbernen Schatulle wird das Herz auf einem Sockel hinter jenem Sofa, auf dem sie vor 77 Jahren, am 18. Juli 1938, verstarb,  nun seinen Platz finden.  Die Königin befand sich damals auf der Rückreise von Dresden, wo sie in ärztl. Behandlung gewesen war,  zum Schloss Cotroceni in Bukarest. Da sich ihr Gesundheitszustand verschlechterte, musste sie allerdings einen notfallbedingten Zwischenstopp in Sinaia einlegen, wo sie schließlich verstarb.

Der wohl angemessenste Raum, in dem Königin Marias Herz für  eine unbestimmte Zeit ruhen könne, sei nach Ansicht seiner Hoheit König Michael von Rumänien das Goldene Zimmer im Schloss Peles, wo sie verstarb. Die Kapelle „Stella Maris“ im Schloss Baltschik, der Ort, der von Maria ursprünglich als Ruhestätte gewählt worden war, befindet sich heute nicht mehr auf rumänischen Staatsgebiet, sondern gehört laut des Vertrages von Craiova, der  zwischen den beiden Staaten am 7. September 1940 unterzeichnet wurde, zu Bulgarien.

Dieses Jahr, am 29. Oktober, feiern wir sowohl den 140. Geburtstag der Königin, die in Eastwell  Park in Kent geboren wurde, als auch 77 Jahre, seitdem ihr Herz die Kapelle im Schloss Cotroceni in Richtung Stella Maris in Baltschik verließ.

Die Bilder in diesem Artikel zeigen die historische Silberschatulle, in der das königliche Herz zwischen 1938 und 1971 aufbewahrt wurde. Ursprünglich wurde das kleine silberne Kästchen, welches das Herz enthält, in eine große vergoldete Silbertruhe gelegt, die mit Diamanten, Rubinen und anderen Edelsteinen besetzt war, ein Willkommensgeschenk seitens einer Organisation der rumänischen Damenwelt für Maria, als diese zum erste Mal in Rumänien ankam.

Im Jahr 1971 beschlossen die Kommunisten, das Herz vom Schlossgelände von Bran, wo es nach der  Verlegung aus Bulgarien ruhte, in das neu eröffnete Nationalmuseum von Bukarest zu schicken, diesmal als Museumsartefakt in einem transparenten Plastikbehälter verpackt.  Sobald es zurück in Sinaia angekommen sein wird, wird es erneut in das ursprüngliche silberne Kästchen gelegt werden. Nach Angaben des Museums wird das silberne Kästchen heute, im nachkommunistischen Rumänien, mit einem Wert von etwa 24.500 Euro (!) geschätzt.

Marie hatte bereits davor gewarnt, welch kompliziertes Schicksal ihr Herz nach dem Tode in einer Welt voller Umbrüche, wie die des Balkans im 20. Jahrhundert, tragen würde. Dies wird in einem ihrer Briefe deutlich:

Heute, da das Grab zwischen uns liegt, darf ich dir alles sagen, du musst weder antworten noch schockiert sein, aber Karl, tue das, worum ich dich bitte: Lasse mein Herz aus meinem Körper herausschneiden, lege es in eine goldenen Schatulle und lasse es neben oder unter dem Altar von Stella Maris begraben; dort wird es Ruhe finden und Stella Maris wird zum Wallfahrtsort werden. Mein ganzes Leben hindurch kamen die Menschen zu meinem Herzen, vieles wurde ihm abverlangt, immer, viel mehr, als du weißt, also lasse sie zu meinem Herzen kommen, selbst nach meinem Tod, nachdem es aufgehört hat zu schlagen, und ich werde dort oben, in der kleinen Landkapelle am See auf sie warten und mögen die Lilien…

Brief von Königin Maria von Rumänien an ihre Kinder, 29. Juni 1933,Balcic (Auszug), Rumänisches Nationalarchiv (RNA)

Ein Jahr später schrieb Königin Maria an ihren amerikanischen Brieffreund Ray Harris Baker:

In früheren Zeiten wurden die Herzen von Königen und Königinnen aus ihren Körpern genommen und in ihre frühere Heimat oder an eine besonderen Heiligenstätte gebracht und obwohl ich Zeit meines Lebens den Gedanken gehasst habe, dass mein überaus gesunder Körper durch einen Schnitt entstellt wird, – ist es mein ausdrücklicher Wunsch, dass mein Herz in der kleinen Kapelle, die ich selbst gebaut habe, begraben wird. Mein ganzes Leben hindurch kamen so viele Menschen zu meinem Herzen, auf der Suche nach Liebe und Verständnis, sodass ich möchte, dass sie kommen mögen, auch wenn ich gegangen sein werde- den mit Lilien gesäumten Weg hinauf gehe, dorthin, wo mein Herz unter dem abgeschirmten kleinen Altar der kleinen orthodoxen Kirche, die von einem Protestanten gebaut wurde…

 Aber….es gibt immer ein großes „aber“. Baltschik liegt sehr nahe der bulgarischen Grenze. Wenn es neue Unruhen gäbe, könnte der Ort meines Herzens wieder in ihre Hände fallen und dann, oh Gott, mein armes Herz!

Quellen: Diana Mandache , “Americans and Queen Marie of Romania”, S.95;  Idem, “Balcicul Reginei Maria”, S.170; RNA.

Text© D. M. Bildnachweis: Diana Mandache @ MNIR; RNA.

Quelle: RNA, veröffentlicht in „Cotroceniul regal“©

see also 
https://royalromania.wordpress.com/2009/05/25/queen-maries-heart/ https://royalromania.wordpress.com/2015/11/03/end-of-queen-maries-hearts-long-journey/

The original post was published in October 2015: 

https://royalromania.wordpress.com/2015/10/27/oh-dear-my-poor-heart/